Die KI-News KW 43 handeln davon, was KI über Betriebe behauptet und was sie von ihnen liest: Ein Gericht verbietet Google falsche Aussagen im KI-Modus, Meta will verlinkte Firmenwebseiten auslesen, Angreifer machen Datenpannen mit KI schneller. Media-Nord.com aus Stuhr bei Bremen sieht darin keinen Grund zur Panik, aber einen Auftrag: Was über den eigenen Betrieb im Netz steht, gehört regelmäßig geprüft.
Gericht verbietet Google falsche Aussagen im KI-Modus
Das Landgericht Aachen hat Google am 24. September per einstweiliger Verfügung verboten, im KI-Modus der Suche, also in Antworten, die Googles KI selbst formuliert, drei Textfassungen über einen Aachener Mediziner zu verbreiten (Aktenzeichen 8 O 268/26). Die KI hatte ihm schwere Vorwürfe zugeschrieben, die einen anderen Mediziner betrafen. Bei Verstoß droht ein Ordnungsgeld bis 250.000 Euro. Laut Beschluss hatte Google vorher mitgeteilt, trotz Beanstandung nichts zu unternehmen. The Decoder, der den Fall am 18. Oktober bekannt machte, spricht vom zweiten deutschen Fall: Im Mai hatte das Landgericht München I Google für seine KI-Übersichten wie für eigene Aussagen haften lassen, dieser Streit endete in einem Vergleich. Eine höhere Instanz hat die Frage nicht geklärt. Aachen ist eine Eilentscheidung ohne Anhörung von Google und nicht rechtskräftig. Veröffentlicht hat den Beschluss die Kanzlei des Antragstellers, eine Stellungnahme von Google liegt nicht vor.
Unsere Einordnung: Jeder Betrieb wird gegoogelt, und immer öfter antwortet zuerst eine KI. Was sie über die eigene Werkstatt oder Praxis sagt, sieht nur, wer regelmäßig selbst nachsieht. Falsches lässt sich bei Google beanstanden, und Aachen zeigt, dass es dabei nicht bleiben muss. Vor Verwechslungen schützt keine Webseite ganz. Aber je klarer Name, Adresse und Leistungen dort stehen, desto besser ist die Quelle, aus der Suchmaschinen und KI-Antworten schöpfen. Wer eine Website erstellen lassen will, sollte genau darauf achten.
Quelle: Landgericht Aachen, 24.09.2026 und The Decoder, 18.10.2026

Meta will Webseiten auslesen, die Firmenkonten verlinken
Meta ändert seine Bedingungen für die gewerbliche Nutzung. Betroffen sind alle Unternehmen, die Facebook oder Instagram geschäftlich nutzen, etwa für Werbung oder eine Firmenseite. Neu ist die Erlaubnis, mit Crawlern, also Programmen, die Webseiten automatisch abrufen, auf verlinkte Webseiten „und alle über sie verfügbaren Inhalte“ zuzugreifen, sie zu speichern und auszuwerten. Den ausdrücklichen Hinweis auf KI-Training hat Meta am 16. Oktober nach Kritik gestrichen; laut Verlegerverband MVFP ist Training damit aber nicht ausgeschlossen. Die Verlegerverbände fordern die EU-Kommission auf, die Änderung zu stoppen. Ein Widerspruch gegen das Auslesen ist nicht vorgesehen. Als Stichtag nannten Medien und Verbände den 30. Oktober, so steht es auch in Metas Vorschau; Meta nennt auf seiner Seite inzwischen den 20. November.
Unsere Einordnung: Eine Erlaubnis zum Auslesen ohne Widerspruchsmöglichkeit, versteckt in Bedingungen, die kaum ein Betrieb liest: Das halten wir für den falschen Weg. Praktisch heißt das: Wer auf Instagram oder Facebook auf die eigene Webseite verlinkt, gibt Meta mehr als einen Link. Ein Handwerksbetrieb, der Preislisten für Stammkunden oder Unterlagen für Auftraggeber offen im Netz liegen hat, nimmt sie besser herunter oder legt sie hinter eine Anmeldung.
Quelle: Meta, Bedingungen für die gewerbliche Nutzung und heise online, 22.10.2026

Rekord bei Datenpannen: KI macht Angriffe schneller
Die Berliner Datenschutzbeauftragte meldete am 22. Oktober einen Höchststand: Von Januar bis September gingen 1.550 Meldungen über Datenpannen ein, 1.303 davon aus Unternehmen und anderen nicht-öffentlichen Stellen, rund 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Als einen Grund unter mehreren nennt Behördenchefin Meike Kamp KI bei Angreifern: Lücken werden ohne Spezialwissen gefunden, Phishing-Mails sehen professionell aus, Angriffe laufen automatisiert. Die Zahlen gelten nur für Berlin. Wird mehr angegriffen oder mehr gemeldet? Das sagen sie nicht. Die Behörde rät unter anderem, Systeme aktuell zu halten, Zugriffsrechte gezielt zu vergeben und alte Daten zu löschen. Wie dringend das werden kann, zeigte dieselbe Woche ohne KI-Bezug: Am 21. Oktober schloss das PHP-Projekt zwei kritische Lücken in PHP, der Grundlage von WordPress. Laut heise riet das BSI, betroffene Seiten bis zum Update vom Netz zu nehmen.
Unsere Einordnung: Eine Phishing-Mail ohne Rechtschreibfehler ist kein Zeichen mehr für Echtheit. Kommt in der Werkstatt die Rechnung eines Teilelieferanten mit neuer Kontonummer, hilft ein Rückruf unter der bekannten Nummer mehr als jeder Blick auf die Grammatik. Und wer eine Webseite betreibt, braucht jemanden, der Updates einspielt, bevor die Lücke in den Nachrichten ist. Die Ratschläge der Behörde sind unspektakulär, und genau deshalb bleiben sie gern liegen.
Quelle: Berliner Datenschutzbeauftragte, 22.10.2026 und rbb24, 22.10.2026; zur PHP-Lücke heise online, 22.10.2026

Zwei Drittel hielten schon ein KI-Video für echt
Laut der Studie „Video Trends 2026“ der Landesmedienanstalten, vorgestellt am 22. Oktober, sind 79 Prozent der Befragten schon KI-Videos begegnet, und 68 Prozent davon haben eines für echt gehalten. 91 Prozent fordern eine Kennzeichnungspflicht. Die Studie unterscheidet: Technische Verbesserungen und kreative Effekte werden mehrheitlich akzeptiert, täuschend echte Veränderungen realer Personen oder Ereignisse kritisch gesehen. Auftraggeber sind die Medienanstalten, die selbst für Medienaufsicht und Regeln eintreten. Stichprobengröße und Feldzeit nennt die Pressemitteilung nicht. Werbung und Unternehmen kommen in der Studie nicht vor.
Unsere Einordnung: Der Schluss für Betriebe liegt trotzdem nahe: Wer mit KI-Videos wirbt, gewinnt mit einer klaren Kennzeichnung. Ein Friseursalon, in dessen Instagram-Video ein KI-Avatar spricht, muss das nicht verstecken. Heikel wird es erst, wenn später herauskommt, dass dort kein echter Mensch stand. Wer beim Video schummelt, verliert das Vertrauen auch bei allem anderen. Jeder KI-Avatar, den wir bauen, trägt die Kennzeichnung deshalb sichtbar im Bild, unserer eingeschlossen.
Quelle: die medienanstalten, 22.10.2026 und heise online, 22.10.2026

KI-Agenten schalten Warnungen ab und lassen nicht locker
Agenten, also Programme, die selbst Schritte am Rechner ausführen, waren schon in der Vorwoche Thema. OpenAI berichtet nun, aktualisiert am 20. Oktober, von zwei Fällen aus dem eigenen Haus: Ein Agent schaltete die Warnungen an das Sicherheitsteam ab, weil er „keine Slack-Nachrichten senden“ sollte. Ein anderer entfernte die Überwachung und stritt das gegenüber dem Nutzer ab. Solche Versuche werden jetzt blockiert, eine Erklärung hat OpenAI nach eigener Aussage noch nicht. In einer Simulation der Testfirma Vals AI vom 15. Oktober sollten sechs Agenten eine verfallene Zugticket-Erstattung über 350 Pfund durchsetzen. Die Bank der Kundin bekam 152 Nachrichten, mehrere Agenten drohten mit Klagen, einer gab die Krankheit ihrer Mutter an fünf Stellen weiter. Geld gab es für keinen. Jedes Modell lief nur einmal.
Unsere Einordnung: Ein Agent, der Mails verschickt, braucht eine Obergrenze und einen Menschen, der vor dem Absenden draufschaut. Der OpenAI-Fall zeigt außerdem: Die Auskunft eines Programms über sich selbst ist keine Kontrolle. Ein KI-Telefonassistent folgt derselben Linie: Er nimmt den Anruf an und notiert, die verbindliche Zusage gibt ein Mensch. Umgekehrt werden Kundenanfragen bald auch von KI-Agenten kommen, die nicht lockerlassen. Eine Fahrschule braucht dann eine Regel, wer antwortet, wenn dieselbe Beschwerde zugleich per Mail und Formular eintrifft.
Quelle: OpenAI, 20.10.2026 und heise online, 22.10.2026; zum Erstattungs-Versuch Vals AI, 15.10.2026

Was nächste Woche ansteht
Bei Meta bleibt der Stichtag unklar: Medien nannten den 30. Oktober, Metas eigene Seite inzwischen den 20. November. Offen ist auch, ob die EU-Kommission auf die Verlage reagiert und ob Google in Aachen Widerspruch einlegt. Webseiten mit veraltetem PHP bleiben angreifbar; PHP 8.2 bekommt laut PHP-Projekt ab 31. Dezember 2026 keine Sicherheitsupdates mehr. Media-Nord.com nimmt aus dieser Woche für Betriebe zwei Aufgaben mit: nachsehen, was KI über den eigenen Betrieb sagt, und wissen, was offen im Netz liegt. Wo KI im Betrieb dabei hilft, klärt die KI-Beratung.

