Diese Woche ist ein Thema so richtig ins Rollen gekommen, das unsere Branche laenger beschaeftigen wird: Werbung in ChatGPT. Und mit ihr die Frage, was das fuer die Sichtbarkeit von Unternehmen bedeutet. Ich sortiere das mal in Ruhe, weil hier gerade viel Halbwissen und Hype durcheinandergehen.
Was ist passiert?
OpenAI, die Firma hinter ChatGPT, hat begonnen, Werbung anzuzeigen — gesponserte Produkt-Empfehlungen, die unter der eigentlichen Antwort erscheinen und klar als Anzeige gekennzeichnet sind. Wichtig: Betroffen sind die kostenlose und die guenstige Version. Die teuren Tarife bleiben werbefrei, Werbefreiheit wird also zum Premium-Merkmal. OpenAI betont, dass die Anzeigen die eigentliche Antwort nicht beeinflussen. Das ist eine bemerkenswerte Kehrtwende — Firmenchef Sam Altman hatte Werbung frueher noch als letzte Option bezeichnet.
Warum wittern Firmen das grosse Geschaeft?
Die Zahl dahinter ist schlicht gewaltig: ChatGPT hat rund 800 Millionen Nutzer pro Woche. Wo so viele Menschen taeglich Fragen stellen — auch zu Produkten und Kaufentscheidungen — entsteht ein riesiger Werbemarkt. Kein Wunder, dass Unternehmen und Werbetreibende jetzt aufmerksam werden. Besonders spannend sind sogenannte Produkt-Feed-Anzeigen: Haendler laden ihren Katalog hoch, die passenden Produkte werden automatisch angezeigt.
Der Daempfer: der Fall Perplexity
Jetzt kommt der Teil, den viele in der Euphorie uebersehen. Der Konkurrent Perplexity hatte aehnliche Werbung getestet — und Anfang 2026 wieder gestoppt. Die Begruendung ist lehrreich: Sobald Werbung in den Antworten auftaucht, zweifeln die Nutzer an deren Neutralitaet. Und genau das Vertrauen ist der eigentliche Wert einer KI-Empfehlung. Ehrlich gesagt halte ich das fuer das zentrale Spannungsfeld der naechsten Jahre: Je mehr bezahlte Platzierungen, desto weniger glaubt man der KI. Auch die grossen Umsatzprognosen von OpenAI sind mit Vorsicht zu geniessen — unabhaengige Marktforscher rechnen deutlich nuechterner.
Was heisst das fuer kleine und mittlere Betriebe?
Wir bei Media Nord sehen das zweigeteilt. Einerseits entsteht ein neuer Werbekanal, der interessant werden kann, gerade weil er Nutzer mitten in der Kaufentscheidung erreicht. Andererseits ist der Einstieg aktuell teuer und teils nur fuer grosse Budgets zugaenglich. Fuer die meisten KMU ist bezahlte KI-Werbung Stand heute also noch keine realistische Option.
Was heisst das konkret fuer dich?
Der guenstigste und wirksamste Hebel ist gerade ein anderer: von der KI ganz normal, also organisch, empfohlen zu werden — ohne dafuer zu zahlen. Diese Disziplin nennt sich GEO, Generative Engine Optimization: dafuer sorgen, dass KI-Systeme dein Unternehmen als vertrauenswuerdige Quelle erkennen und zitieren. Das Spannende dabei: Von der KI empfohlen zu werden funktioniert anders als das klassische Google-Ranking. Viele Seiten, die KI zitiert, stehen bei Google gar nicht vorn. Unser Tipp aus der Praxis: Kuemmere dich jetzt um deine Sichtbarkeit in KI-Antworten, solange sie noch nicht ersteigerbar ist. Genau da liegt fuer kleine Budgets der grosse Vorteil — noch.
Quellen
- https://t3n.de/news/werbung-in-chatgpt-und-co-1743112/
- https://www.cnbc.com/2026/01/16/open-ai-chatgpt-ads-us.html
- https://www.pymnts.com/artificial-intelligence-2/2026/perplexity-pulling-sponsored-answers-from-ai-platform/
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