Eine Frage, die uns Kunden erstaunlich oft stellen: Wie kann ChatGPT eigentlich so wenig kosten? Zwanzig Euro im Monat für etwas, das Rechenzentren im Milliardenwert braucht — das geht rechnerisch nicht auf. Die Antwort ist einfacher, als man denkt: Es zahlt jemand anderes mit. Und einer der größten Zahler heißt Softbank.
Wer ist Softbank überhaupt?
Softbank ist ein japanischer Technologie-Konzern, gegründet in den 1980er Jahren von Masayoshi Son. Angefangen hat die Firma mit dem Vertrieb von Software, heute ist sie ein Gemischtwarenladen aus Mobilfunk, Breitband, Chip-Geschäft und vor allem: Beteiligungen. Softbank kauft sich in Technologiefirmen ein, oft sehr früh und oft mit sehr viel Geld.
Son selbst ist in der Branche eine Legende — im Guten wie im Schlechten. Seine berühmteste Wette war eine frühe Beteiligung an Alibaba, aus der über die Jahre ein zweistelliger Milliardengewinn wurde. Seine berühmteste Fehlwette war WeWork, ein Vermieter von Büroflächen, den Softbank zum Technologie-Unternehmen erklärte und in dem Milliarden verbrannten. Genau diese Mischung macht die aktuelle Nachricht interessant.
Was hat Softbank mit OpenAI zu tun?
Sehr viel. Im Dezember 2025 wurde ein Finanzierungspaket über 41 Milliarden US-Dollar für OpenAI abgeschlossen — Softbank steuerte davon in zwei Tranchen 7,5 und 22,5 Milliarden bei, der Rest kam von Co-Investoren. Damit hält der Konzern inzwischen rund elf Prozent an dem Unternehmen hinter ChatGPT.
Dazu kommt Stargate: ein Gemeinschaftsprojekt von OpenAI, Oracle, Softbank und dem Investor MGX, das in den nächsten Jahren Rechenzentren im Umfang von bis zu 500 Milliarden Dollar bauen soll. Masayoshi Son ist Chairman, Softbank trägt die finanzielle Verantwortung, OpenAI den Betrieb. Um das zu finanzieren, hat Softbank unter anderem seine komplette Nvidia-Beteiligung verkauft — man verkauft also Anteile am Schaufelhersteller, um selbst zu graben.
Was wir bei Media Nord davon halten
Ehrlich gesagt bin ich zwiegespalten. Auf der einen Seite profitieren wir alle davon: Ohne dieses Geld gäbe es die leistungsfähigen KI-Werkzeuge, die wir täglich einsetzen, in dieser Form und zu diesem Preis nicht. Wir bauen bei Media Nord selbst Automatisierungen für Kunden, die vor drei Jahren als Großprojekt gegolten hätten und heute an einem Nachmittag stehen.
Auf der anderen Seite: Ich habe ein ungutes Gefühl dabei, wie stark eine ganze Branche an den Entscheidungen weniger Investoren hängt. Sons Erfolgsbilanz ist eben nicht makellos — WeWork war kein Betriebsunfall, sondern das Ergebnis derselben Denkweise, die jetzt Rechenzentren finanziert. Wenn diese Wette schiefgeht, ist das nicht nur ein Problem für Aktionäre in Tokio. Dann steigen bei uns die Preise.
Was heißt das konkret für kleine und mittlere Unternehmen?
- Die günstigen Preise sind nicht in Stein gemeißelt. Was Sie heute für zwanzig Euro bekommen, ist eine Marktanteils-Investition. Kalkulieren Sie, was passiert, wenn sich die Kosten verdoppeln.
- Nicht alles auf einen Anbieter setzen. Wenn Ihre Angebotserstellung, Ihr Kundenservice und Ihre Texte alle an einem einzigen Dienst hängen, haben Sie ein Klumpenrisiko. Es gibt inzwischen gute Alternativen, auch aus Europa.
- Prozesse dokumentieren, nicht nur Tools nutzen. Wer weiß, warum ein Ablauf so funktioniert, kann den Anbieter wechseln. Wer nur Prompts in ein Fenster tippt, fängt bei null an.
- Trotzdem loslegen. Aus der Sorge um die Zukunft folgt nicht, heute nichts zu tun. Der Produktivitätsvorsprung ist real und sofort da.
Häufige Fragen
Ist OpenAI in Gefahr, wenn Softbank ausfällt?
Kurzfristig nicht. OpenAI hat mehrere Investoren und erhebliche eigene Einnahmen. Aber der Ausbautempo würde deutlich sinken.
Sollte ich deshalb auf europäische KI-Anbieter wechseln?
Nicht pauschal. Sinnvoll ist eine Mischung: die stärksten Werkzeuge für anspruchsvolle Aufgaben, europäische oder lokale Lösungen dort, wo Datenschutz oder Planbarkeit wichtiger sind als die letzten fünf Prozent Qualität.
Woran merke ich, dass sich der Markt dreht?
An Preiserhöhungen bei den Schnittstellen, an gestrichenen Gratis-Kontingenten und an Anbietern, die plötzlich Werbung einführen. Beobachten Sie das — und halten Sie eine Alternative bereit.
Unser Tipp aus der Praxis: Schreiben Sie einmal auf, welche KI-Werkzeuge in Ihrem Betrieb wirklich geschäftskritisch sind. Für genau diese sollten Sie einen Plan B haben. Für den Rest reicht Neugier.
Quellen
- https://t3n.de/news/milliarden-fuer-ki-ausbau-was-hinter-dem-openai-geldgeber-softbank-steckt-1755878/
- https://techinformed.com/softbank-closes-41b-openai-investment-as-stargate-buildout-expands/
- https://openai.com/index/five-new-stargate-sites/
- https://www.cnbc.com/2026/01/09/openai-and-softbank-group-announce-1-billion-investment-in-sb-energy-.html
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