Über OpenAIs erstes eigenes Gerät wird seit über einem Jahr spekuliert. Diese Woche sind endlich belastbare Details durchgesickert — inklusive Preis. Bloomberg hat am 6. August 2026 beschrieben, was da entsteht, und die Zahl hat mich ehrlich gesagt kurz schlucken lassen. Ich fasse zusammen, was bekannt ist, und sage danach, warum ich das Gerät selbst für den unwichtigeren Teil der Nachricht halte.

Was baut OpenAI da eigentlich?

OpenAI ist die Firma hinter ChatGPT — bislang reine Software. Jetzt kommt zum ersten Mal Hardware, und zwar bewusst kein Smartphone und kein Gerät mit Bildschirm. Beschrieben wird ein Lautsprecher in Donut-Form: ein Ring mit Loch in der Mitte, ungefähr so groß wie ein Eishockey-Puck, damit man ihn mit einer Hand durch die Wohnung tragen kann. Eingebaut sind ein Akku, Mikrofone, eine Kamera — und, das ist das Ungewöhnliche, bewegliche mechanische Teile. Das Gerät soll sich sichtbar regen, wenn es zuhört oder antwortet.

Als Sprachsystem läuft darauf GPT-Live. Das ist OpenAIs Technik für durchgehende Gespräche, bei denen man nicht abwechselnd redet und wartet, sondern sich unterbrechen und dazwischenreden kann — so wie mit einem Menschen. Gestaltet wird das Gerät gemeinsam mit LoveFrom, dem Designstudio von Jony Ive, der jahrzehntelang das Aussehen von iPhone und MacBook geprägt hat.

Was soll es kosten?

300 bis 400 US-Dollar, berichten mehrere Quellen übereinstimmend. Zur Einordnung: Ein Google-Home-Lautsprecher liegt bei rund 120 Euro, ein Amazon Echo Dot bei etwa 65 Euro. OpenAI ruft also ungefähr das Drei- bis Fünffache auf.

Begründet wird der Preis mit der Mechanik, der Kamera und dem Anspruch, kein Sprachassistent, sondern ein „KI-Computer“ zu sein. Der Verkaufsstart wird für 2027 erwartet.

Was wir davon halten

Ehrlich gesagt bin ich beim Gerät selbst skeptisch. Wir bei Media Nord haben genug Smart Speaker in Büros stehen sehen, die nach drei Wochen nur noch als Küchenradio dienten. Ein bewegliches Gehäuse ändert daran wenig, und 400 Dollar sind eine hohe Hürde für etwas, das man auf dem Handy längst hat. Dass Jony Ive daran mitarbeitet, ist ein starkes Argument für die Verarbeitung — aber gutes Design hat noch nie garantiert, dass ein Produkt im Alltag gebraucht wird.

Interessant finde ich etwas anderes: die Richtung. Wenn der derzeit meistgenutzte KI-Anbieter der Welt so viel Aufwand in ein Gerät ohne Bildschirm steckt, ist das eine Wette darauf, dass Sprache zur normalen Art wird, mit Computern zu arbeiten. Und diese Entwicklung sehen wir bei unseren Kunden längst — nur an anderer Stelle: bei der Telefonannahme.

Wer in einem kleinen Betrieb schon einmal einen KI-Telefonassistenten hat mitlaufen lassen, kennt den Effekt. Anrufe außerhalb der Öffnungszeiten gehen nicht mehr verloren, Rückfragen zu Öffnungszeiten und Preisen erledigen sich von selbst. Das ist dieselbe Technik, die in dem Donut stecken wird — nur eben dort, wo sie heute schon Geld einspart.

Häufige Fragen

Muss ich das Gerät haben?

Nein, und schon gar nicht sofort — es kommt frühestens 2027. Für den Betriebsalltag gibt es keinen Anwendungsfall, der nicht auch mit einem Rechner oder Telefon abgedeckt wäre.

Ist das dasselbe wie das Makro-Pad Codex Micro?

Nein. Codex Micro ist ein kleines Eingabegerät für Entwicklerinnen und Entwickler für rund 230 Dollar. Der Donut-Lautsprecher ist ein eigenständiges Produkt für den Alltag.

Eine Kamera im Raum — bedenklich?

Diese Frage stellen wir uns auch. Bislang ist nicht bekannt, was die Kamera genau tut und wo Bilder verarbeitet werden. Unser Rat: In Büroräumen, in denen Kunden- oder Personaldaten offen liegen, gehören Geräte mit Kamera und Dauermikrofon grundsätzlich nicht hin — unabhängig vom Hersteller.

Was sollte ich stattdessen jetzt tun?

Wenn Sie ohnehin über Sprach-KI nachdenken: Der praktischste Einstieg für kleine Betriebe ist heute die Telefonie, nicht der Lautsprecher. Da ist der Nutzen sofort messbar — an den Anrufen, die vorher niemand angenommen hat.

Kurz gesagt: Der Donut ist eine spannende Ankündigung, aber noch weit weg. Die Botschaft dahinter — Sprache wird zur Standardbedienung — ist dagegen schon heute relevant.

Quellen


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