Ich gebe zu: Als ich die Zahl gelesen habe, musste ich kurz lachen — und dann habe ich unsere eigenen Beiträge nochmal durchgesehen. Über eine Million Mal haben LinkedIn-Nutzer in rund zwei Wochen auf einen neuen Knopf geklickt, der sinngemäß sagt: Das hier wirkt nach KI-Müll.

Was ist KI-Slop überhaupt?

Der Begriff hat sich für eine bestimmte Sorte Inhalt eingebürgert: billig produzierte Massenware aus dem Chatbot. Formal korrekt, angenehm zu lesen, drei Absätze lang — und am Ende weiß man genau so viel wie vorher. Kein konkreter Fall, keine eigene Zahl, keine Haltung. Slop heißt auf Deutsch ungefähr Schlabber oder Küchenabfall, und ehrlich gesagt trifft es das ganz gut.

Was der neue Knopf bewirkt

Die Funktion sitzt im Drei-Punkte-Menü eines Beitrags und ist inzwischen auch für Kommentare verfügbar. Nach Angaben von LinkedIn-Produktmanager Hari Srinivasan wurde sie seit dem Start über eine Million Mal genutzt.

Und sie hat Zähne: Als KI-Slop eingestufte Inhalte verzeichnen rund 40 Prozent weniger Aufrufe. Wer häufig gemeldet wird, bekommt zusätzlich einen Hinweis in der eigenen Beitragsstatistik — laut LinkedIn ausdrücklich als Rückmeldung gedacht, nicht als Bestrafung.

Warum LinkedIn das macht

Die Zahlen dahinter sind eindeutig. Eine Analyse von Pangram Labs kommt zu dem Ergebnis, dass 41 Prozent aller LinkedIn-Beiträge mit mehr als 250 Wörtern vollständig KI-generiert sind. Bei kürzeren Beiträgen liegt der Anteil bei 30 Prozent. In beiden Fällen ist das der höchste Wert unter allen untersuchten Plattformen.

Am bemerkenswertesten finde ich aber eine andere Entscheidung: LinkedIn hat sein eigenes KI-Schreibwerkzeug zurückgebaut. Es verbessert Texte nicht mehr, sondern liest nur noch Korrektur — damit die eigene Stimme der Verfasser erhalten bleibt. Ein Konzern, der seine eigene KI-Funktion beschneidet, weil sie das Produkt verwässert, ist selten genug, um es zu erwähnen.

Was wir bei Media Nord daraus machen

Wir arbeiten selbst intensiv mit KI in der Produktion von Inhalten — es wäre albern, das zu verschweigen. Was wir dabei gelernt haben, deckt sich ziemlich genau mit dem, was LinkedIn hier durchsetzt: KI ist gut im Strukturieren, Zusammenfassen und Korrekturlesen. Sie ist schlecht darin, etwas zu sagen, was nur Sie sagen können.

Unser Tipp aus der Praxis, und das ist keine Theorie, sondern unsere interne Regel: Der Kern eines Beitrags muss aus dem Betrieb kommen. Ein konkreter Kundenfall, eine Zahl aus dem eigenen Alltag, eine Einschätzung, bei der man sich festlegt. Alles drumherum — Gliederung, Rechtschreibung, Kürzen — darf die Maschine machen. Sobald es umgekehrt läuft, merkt man es dem Text an. Und jetzt eben nicht mehr nur gefühlt, sondern messbar in der Reichweite.

Häufige Fragen

Darf ich jetzt gar keine KI mehr für LinkedIn nutzen?

Doch, natürlich. Gemeldet wird nicht die Nutzung, sondern der Eindruck von Beliebigkeit. Ein Beitrag mit echter Substanz wird nicht als Slop markiert, auch wenn eine KI beim Formulieren geholfen hat.

Woran erkennen Leser den Unterschied?

Meist an drei Dingen: Nennen Sie konkrete Zahlen und Namen? Beziehen Sie irgendwo Position? Und könnte der Text so nur von Ihnen kommen — oder von jedem in Ihrer Branche?

Was mache ich, wenn ich einen Hinweis in meiner Statistik bekomme?

Nicht ignorieren, aber auch nicht panisch werden. Nehmen Sie den betroffenen Beitrag und streichen Sie alles, was Sie auch bei einem Wettbewerber lesen könnten. Was übrig bleibt, ist der Beitrag, den Sie hätten schreiben sollen.

Unser Fazit: Der Knopf ist unangenehm — und wir finden ihn richtig. Er bestraft nicht KI, sondern Beliebigkeit. Das ist ein Unterschied, den man sich beim nächsten Beitrag ruhig kurz vor Augen führen sollte.

Quellen


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