Diese Meldung hat mich diese Woche hellhoerig gemacht, weil sie ein Problem betrifft, das uns alle angeht: Betrueger bringen ChatGPT gezielt dazu, gefaelschte Online-Shops zu empfehlen. Ein Fall aus Grossbritannien zeigt, wie das laeuft — und warum das gerade fuer Online-Haendler ein zweischneidiges Thema ist.
Was ist passiert?
Ein britischer Betrugs-Pruefdienst hat festgestellt, dass ChatGPT beim Einkaufs-Tipp auf gefaelschte Shops verlinkte — taeuschend echte Kopien echter Marken. Besonders perfide: Betroffen war unter anderem eine Marke, die kurz zuvor insolvent gegangen war und keine offizielle Website mehr hatte. Die Kunden suchten trotzdem weiter danach, und genau diese Luecke haben Betrueger ausgenutzt.
Wie funktioniert die Masche?
Der Fachbegriff dafuer ist AI-Poisoning, auf Deutsch etwa Vergiftung der KI-Datenbasis. Klingt kompliziert, ist im Kern aber einfach: Die Betrueger fluten das Internet mit gefaelschten, ueberzeugend aussehenden Shop-Seiten und bezahlter Werbung. Die KI zieht diese Seiten in ihren Wissensschatz und praesentiert sie dann als vertrauenswuerdige Empfehlung. Die Fake-Shops locken mit Rabatten von bis zu 80 Prozent, verlangen Vorkasse — und liefern dann nichts oder greifen die Zahlungsdaten ab. OpenAI hat die bekannten Seiten zwar entfernt, aber das ist eine Reaktion im Nachhinein, kein dauerhafter Schutz.
Warum ist das gerade jetzt gefaehrlich?
Weil sich das Einkaufen veraendert. Immer mehr Menschen fragen KI-Assistenten statt Suchmaschinen nach Produkten. Und die naechste Stufe, das sogenannte Agentic Commerce, ist bereits da: KI-Assistenten, die nicht nur empfehlen, sondern selbststaendig kaufen. In einem Test hat ein KI-Agent einen Fake-Shop nicht hinterfragt, sondern gleich mit gespeicherten Kartendaten bezahlt. Genau da wird aus einer schlechten Empfehlung ein automatisierter Schaden.
Was heisst das fuer dich als Kaeufer?
Unser klarer Rat: Vertrau einer KI-Empfehlung nicht blind. Ein paar einfache Checks schuetzen dich zuverlaessig:
- Domain genau anschauen — Zusaetze wie official, online, uk oder Bindestriche im Markennamen sind ein Warnsignal.
- Impressum pruefen — in Deutschland Pflicht; fehlt es oder wirkt es dubios, Finger weg.
- Bewertungen extern gegenpruefen — auf Google oder Trustpilot, nicht nur den 5-Sterne-Widgets auf der Seite selbst glauben.
- Zahlungsart beachten — nur Vorkasse ohne Kaeuferschutz ist riskant.
Und wenn du selbst online verkaufst?
Hier wird es fuer viele unserer Kunden richtig relevant. Wenn Betrueger Marken kapern, ist die beste Verteidigung, selbst als klar vertrauenswuerdige Quelle sichtbar zu sein. Fachleute nennen das GEO — Generative Engine Optimization, also dafuer zu sorgen, dass KI-Systeme dich als echte, serioese Quelle erkennen und empfehlen. Konkret heisst das: vollstaendiges, korrektes Impressum, ueberall gleiche Kontaktdaten, echte Bewertungen auf externen Portalen und ein sauberes technisches Fundament der Website. Ehrlich gesagt halten wir das inzwischen fuer Pflicht: Wer diese Luecke nicht selbst fuellt, riskiert, dass ein Fake sie mit dem eigenen Markennamen fuellt.
Unser Tipp aus der Praxis: Registriere oder ueberwache aehnliche Domain-Varianten deiner Marke und melde Klone. Der Aufwand ist ueberschaubar — der Schaden fuer den Ruf dagegen enorm.
Quellen
- https://t3n.de/news/gefahr-beim-ki-shopping-1746423/
- https://www.retailgazette.co.uk/blog/2026/06/scam-warning-as-fake-retailer-websites-appearing-in-chatgpt-search-results/
- https://cybernews.com/ai-news/chatgpt-shopping-results-scam-websites/
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