Mir ist diese Woche eine Zahl untergekommen, die ich seit Tagen nicht mehr loswerde: 41 Prozent der Deutschen nutzen inzwischen KI-Werkzeuge, um lokale Unternehmen zu finden. Nicht Google. Nicht die Karten-App. Sondern ChatGPT, Gemini und Konsorten. Erhoben hat das der Softwareanbieter Yext in seinem Consumer Search Behaviors Report 2026.

Was steht da genau drin?

Die wichtigsten Zahlen in Kurzform: 41 Prozent der deutschen Befragten suchen lokale Betriebe per KI. 84 Prozent von ihnen tun das häufiger als noch im Vorjahr — der Trend ist also nicht nur da, er beschleunigt. Gleichzeitig nutzen 77 Prozent weiterhin klassische Suchmaschinen. Das ist ein wichtiger Punkt, den viele Schlagzeilen unterschlagen: Google ist nicht tot, es kommt ein zweiter Kanal dazu.

Und dieser Kanal bringt echte Kundschaft: 27 Prozent der Befragten haben in den letzten sechs Monaten ein Unternehmen kontaktiert oder aufgesucht, das sie vorher nicht kannten — allein aufgrund einer KI-Empfehlung. Am stärksten betroffen sind die Gastronomie mit 48 Prozent der KI-Empfehlungen, der Einzelhandel mit 44 Prozent und Gesundheitsdienstleistungen mit 37 Prozent.

Warum ist das anders als normale Google-Suche?

Das ist für mich der eigentliche Kern, und er wird oft übersehen. Bei Google bekommen Sie zehn Ergebnisse und eine Karte. Selbst wenn Sie auf Platz sieben stehen, hat der Kunde eine faire Chance, Sie zu sehen. Eine KI-Antwort funktioniert anders: Sie nennt zwei, vielleicht drei Namen — in ganzen Sätzen, wie eine Empfehlung von einem Bekannten. Es gibt keine zweite Seite. Wer nicht genannt wird, kommt in diesem Gespräch schlicht nicht vor.

Das ist unangenehm, aber auch eine Chance. Denn wer genannt wird, entscheidet sich nicht durch Werbebudget, sondern durch etwas erstaunlich Altmodisches: durch saubere, überprüfbare Informationen.

Woher nimmt so eine KI ihre Antworten?

Vereinfacht gesagt aus dem, was im Netz über Sie steht und was sich gegenseitig bestätigt: Ihre eigene Website, Ihr Google-Unternehmensprofil, Branchen- und Kartenverzeichnisse, Bewertungsportale, Presseerwähnungen. Ein KI-System hat kein eigenes Wissen über Ihren Betrieb — es baut sich ein Bild aus vielen Quellen. Und wenn diese Quellen sich widersprechen, wird das Bild unscharf. Unscharf heißt: nicht empfehlenswert.

Genau deshalb ist der langweiligste aller Ratschläge hier plötzlich der wichtigste: Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten und Leistungsbeschreibung müssen überall identisch und aktuell sein. Wir sehen bei neuen Kunden regelmäßig drei verschiedene Telefonnummern und Öffnungszeiten aus der Zeit vor Corona. Für Google war das lästig. Für eine KI ist es ein Ausschlusskriterium.

Was wir Betrieben aus der Region konkret raten

  • Daten aufräumen, überall gleich: Website, Google-Unternehmensprofil, Bing Places, Branchenverzeichnisse, Bewertungsportale. Einmal gründlich durchgehen — das ist ein Nachmittag Arbeit mit langer Wirkung.
  • Bewertungen frisch halten: Laut der Studie zählt der stetige Zufluss neuer Bewertungen mehr als ein großer Berg alter. Fragen Sie zufriedene Kunden regelmäßig — nicht einmal im Jahr in einer Aktion.
  • Leistungen in klaren Sätzen beschreiben: Schreiben Sie auf Ihrer Website so, dass ein Satz zitierfähig ist. „Wir bieten individuelle Lösungen“ hilft keiner KI. „Wir reparieren Kaffeevollautomaten aller Marken in Stuhr und Bremen, auch am Samstag“ schon.
  • Klassisches SEO nicht wegwerfen: 77 Prozent suchen weiterhin bei Google. Wer die Grundlagen dort sauber hat, ist in KI-Antworten meist automatisch besser aufgestellt — es sind größtenteils dieselben Signale.

Unsere ehrliche Einschätzung

Ich halte wenig von der Panikvariante dieser Nachricht („Google ist tot, alles neu machen“). Was hier passiert, ist keine Revolution der Technik, sondern eine Verschiebung der Aufmerksamkeit — und die trifft ausgerechnet die Betriebe am härtesten, die ihre Online-Präsenz seit Jahren nebenbei laufen lassen. Die gute Nachricht: Der Aufwand, um dabei zu sein, ist für einen kleinen Betrieb überschaubar. Es geht nicht um teure Kampagnen, sondern um Ordnung in den eigenen Daten. Unser Tipp aus der Praxis: Fragen Sie ChatGPT einfach selbst einmal nach einem Betrieb wie Ihrem in Ihrer Stadt. Was dabei herauskommt, ist die ehrlichste Bestandsaufnahme, die Sie kriegen können.

Quellen


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Media-Nord.com UG Geschäftsführung
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