Mir ist diese Woche eine Meldung untergekommen, die für viele unserer Kunden praktischer ist als die meisten großen KI-Schlagzeilen: Adobe hat am 6. August 2026 ein Plugin für ChatGPT veröffentlicht. Damit lassen sich über 70 Adobe-Werkzeuge direkt im Chatfenster nutzen — ohne Photoshop zu öffnen, ohne sich durch Menüs zu klicken. Ich schreibe hier auf, was da wirklich drinsteckt und was wir bei Media Nord davon halten.
Was genau ist da passiert?
Ein Plugin ist schlicht eine Erweiterung: Man schaltet sie einmal in ChatGPT ein, danach stehen zusätzliche Funktionen zur Verfügung. In diesem Fall kommen die Funktionen von Adobe — und zwar aus Photoshop, Premiere, Illustrator, InDesign, Acrobat, Lightroom, Express, Firefly und Adobe Stock. Zusammen sind es über 70 einzelne Werkzeuge.
Der eigentlich interessante Teil ist aber nicht die Zahl, sondern die Bedienung. Man muss nämlich nicht mehr wissen, welches Programm für welche Aufgabe zuständig ist. Man beschreibt einfach, was am Ende herauskommen soll — und die Software sucht sich den passenden Weg selbst. Genau daran sind in unserer Erfahrung bisher die meisten Leute gescheitert: nicht am Können, sondern an der Frage „Womit mache ich das jetzt?“.
Was kann man damit im Betriebsalltag machen?
Ein paar Beispiele, die aus dem echten Arbeitsalltag kleiner Unternehmen kommen:
- Produktfotos vereinheitlichen: Zwanzig Bilder aus zwei verschiedenen Aufnahmetagen bekommen denselben Look — gleiche Helligkeit, gleiche Farbstimmung.
- Tabelle zu PDF: Aus einer Excel-Liste wird ein sauber gesetztes PDF-Dokument, etwa eine Preisliste oder ein Angebotsblatt.
- Video kürzen und umformatieren: Aus einem langen Handyvideo werden die besten Momente geschnitten und ins Hochformat gebracht — passend für Instagram Reels, YouTube Shorts oder TikTok.
- Ein Entwurf, viele Formate: Eine Grafik wird automatisch in mehreren Größen ausgegeben, für jede Plattform die richtige.
Was kostet das?
Das Plugin selbst ist kostenlos. Basisfunktionen — einfache Bildbearbeitung, Dokumentenwerkzeuge, Vorlagen — laufen sogar im Gastmodus, also ganz ohne Adobe-Konto. Wer ein kostenloses Adobe-Konto anlegt, schaltet zusätzlich die generative Bild-KI Firefly frei und kann Arbeitsstände speichern. Für den vollen Funktionsumfang und den Zugriff auf die Cloud-Ablage braucht man weiterhin ein kostenpflichtiges Adobe-Abo.
Adobe hat dieselbe Integration übrigens auch für Claude und Microsoft Copilot gebaut; Versionen für Slack und Google Gemini sind angekündigt.
Was wir davon halten
Ehrlich gesagt halte ich das für den nützlichsten KI-Start dieses Sommers — gerade weil er so unspektakulär ist. Wir bei Media Nord erleben in Projekten mit kleinen Betrieben immer wieder dieselbe Situation: Es gibt niemanden, der „das mit den Bildern“ macht. Die Fotos liegen auf dem Handy der Chefin, das Video vom Sommerfest ist zwölf Minuten lang, und der Flyer soll bis Freitag fertig sein. Genau diese Lücke schließt so ein Werkzeug.
Unser Tipp aus der Praxis: Fangen Sie klein an. Nehmen Sie eine einzige wiederkehrende Aufgabe — bei den meisten sind das Produktfotos oder das Zuschneiden von Videos fürs Hochformat — und probieren Sie die eine Woche lang darüber. Alles auf einmal umzustellen führt erfahrungsgemäß dazu, dass man nach drei Tagen wieder beim Alten ist.
Eine Einschränkung nennen wir aber deutlich: Das ersetzt kein Gestaltungsauge. Ein Werkzeug kann Bilder angleichen und Formate anpassen — ob eine Anzeige zu Ihrer Marke passt und ob die Aussage sitzt, entscheidet weiter ein Mensch. Wir sehen das als Beschleuniger für Handarbeit, nicht als Ersatz für Konzept.
Häufige Fragen
Brauche ich ein Adobe-Abo?
Für den Einstieg nein. Basisfunktionen laufen ohne Konto, ein kostenloses Konto schaltet die KI-Bildgenerierung frei. Erst der volle Funktionsumfang setzt ein Abo voraus.
Ersetzt das Canva?
Für viele einfache Aufgaben ja — vor allem, wenn man ohnehin schon mit ChatGPT arbeitet und nicht noch ein weiteres Programm öffnen möchte. Für gepflegte Markenvorlagen und Team-Arbeit an Designs bleibt spezialisierte Software vorne.
Bleiben meine Dateien vertraulich?
Hochgeladene Dateien werden bei den jeweiligen Anbietern verarbeitet. Unser Rat: sensible Kundendaten, Verträge oder Personalunterlagen gehören nicht in solche Werkzeuge — für Produktfotos und Marketingmaterial ist das dagegen unkritisch.
Funktioniert das auch mit anderen KI-Assistenten?
Ja, Adobe bietet die Integration auch für Claude und Microsoft Copilot an. Slack und Google Gemini sollen folgen.
Kurz gesagt: Wer bisher an Bild- und Videoaufgaben hängen geblieben ist, weil die Programme zu sperrig waren, bekommt hier einen deutlich kürzeren Weg. Ausprobieren kostet nichts.
Quellen
- https://t3n.de/news/adobe-plugin-chatgpt-1757158/
- https://blog.adobe.com/en/publish/2026/08/06/introducing-adobe-chatgpt-create-edit-get-work-done-all-in-chatgpt
- https://www.engadget.com/2231088/adobe-new-chatgpt-plugin-brings-70-of-its-tools-to-openai-chatbot/
- https://thenextweb.com/news/adobe-chatgpt-plugin-70-tools-creative-openai
- https://9to5mac.com/2026/08/06/new-adobe-plugin-in-chatgpt-combines-photoshop-firefly-premiere-acrobat-and-more/
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